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Frei heraus

Die Grippewelle


Linda Linöcker ist
Geschäftsfrau in Mattighofen.

Ab und zu, wenn mir der Alltagstrott so richtig zum Halse heraushängt, dann denke ich mir, wie schön es wäre, sich einfach ein paar Tage ins Bett zu legen und nur ein „bisschen“ krank zu sein. Nicht richtig, aber gerade so, dass man verhätschelt wird, selbst gemachten Kartoffelbrei und Früchtetee serviert be-kommt, ein Buch lesen, fernsehen und schlafen kann. So drei Tage in etwa, das dürfte reichen. Tja, das sollte man nicht heraufbeschwören, denn so etwas kommt oft schneller als man denkt.
Über Nacht ist man nicht nur ein bisschen krank, sondern die Grippewelle hat
Jetzt könnte man die Gelegenheit beim Schopf packen und ohne schlechtem Gewissen der Lese- und Fernsehsucht frönen, aber wie denn, dazu ist man viel zu krank. Dazu kommt noch, dass man in fieberfreien Momenten heimlich aufsteht und nachsieht, ob alles so gemacht ist, wie man es gewohnt ist. Sieht man, dass alles blitzsauber ist, denkt man gleich, man wird nicht gebraucht und wenn das Chaos herrscht, ist das auch keine Genugtuung. Männer haben es da viel leichter, es ist Balsam für ihre Seele, bedauert und gepflegt zu werden. Kaum liegen Männer einige Tage, ächzen und stöhnen sie vor sich hin. Aber ihre Angst vor Essigwickel und Topfenumschlägen lässt sie unvermutet schnell gesunden.


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