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Eintreten in die Schuhe des anderen


Im Gespräch über Empathie:  der evangelische
Theologe Jürgen Fliege, Marlies Matejka, Leiterin
der Telefonseelsorge Wien, ORF-Moderatorin Elfi 
Geiblinger, Katja Schweitzer, Koordinatorin der
kids-line Salzburg und Gerhard Darmann, Leiter
der Telefonseelsorge Salzburg (v.l).

Foto: Claudio Ruggieri

Mitschwingen. „Die Saiten der Empathie“ erfüllten vergangenes Wochenende das Bildungszentrum St. Virgil. Die Telefonseelsorge hatte ihre 30. Österreichische Fachtagung unter dieses Motto gestellt. „Empathie ist das tägliche Brot in der Telefonseelsorge. Saiten meint die Schwingung, die entsteht, wenn wir mit Menschen am Telefon in Kontakt treten“, erklärt Gerhard Darmann. Der Leiter der Telefonseelsorge Salzburg freut sich über die positiven Rückmeldungen der 240 Teilnehmer.

Salzburg. „Ich möchte dem Wort Empathie etwas hinzufügen, denn Telefonseelsorge ohne Sympathie zu den Menschen ist nicht möglich. Diese Sympathie zeichnet Sie alle aus“, begrüßte Erzbischof Alois Kothgasser die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Österreich, Südtirol und Ungarn. Deutschlands „Beitrag“ war Pfarrer Jürgen Fliege.

Nicht vertrösten, sondern trösten

Der evangelische Theologe sprach im letzten Jahr regelmäßig mit den Hörern des ORF Radio Salzburg, die sich in der Sendung „Fliege am Freitag“ ihre Sorgen von der Seele reden konnten. „Das Beste was wir tun können ist trösten“, formulierte Fliege das Ziel eines empathischen Gesprächs, bei dem er das Einsteigen in die Schuhe des anderen vorschlägt. „Oder anders ausgedrückt: ich bin der Schuhlöffel Gottes, der den Menschen dabei behilflich ist, dass sie in ihre von Gott maßgeschneiderten Schuhe wieder passen  und dass sie darin gehen wollen.“ Angst habe er keine, auch nicht wenn jemand sagt: „Ich springe.“ Getragen von seiner Erfahrung und seiner Spiritualität versuche er an die Seite des Anrufenden zu treten.

Sensibler Seismograf unserer Gesellschaft

Ganz konnte der Leiter der Salzburger Telefonseelsorge, Gerhard Darmann, da nicht mitgehen: „Manchmal sage ich schon, das macht mir jetzt Angst. Mir ist es wichtig, dem eigenen Rhythmus zu folgen.“ Dem schließt sich seine Wiener Kollegin Marlies Matejka an, die auch bestätigt, dass Telefonseelsorge die Funktion eines Seismografen einnimmt. Die Anrufe spiegeln die Probleme der Gesellschaft wider. Zwei Drittel werden mit Frauen geführt. „Männer rufen meist sehr spät an: wenn die Krise nicht (einfach) abzuwenden ist.“
In einem sind sich die Experten einig: Telefonseelsorge kann Probleme nicht lösen. Aber sie kann dabei helfen, dass Anrufende es selbst schaffen. Patentrezepte kann Katja Schweitzer, Koordinatorin der „kids-line“, ebenfalls keine bieten, dafür Stärkung und Ermutigung.  „Die Kinder und Jugendlichen sind erstaunt, wenn sie merken hier werden sie ernst genommen, wir trauen ihnen etwas zu.“               

Ingrid Burgstaller


Hintergrund

Unter dieser Nummer
ist immer jemand da.

Da ist jemand und hört zu

„Wenn ein Anrufer sagt, da haben Sie mich auf eine Idee gebracht, dann ist das ein Fortschritt“, beschreibt eine Telefonseelsorge-Mitarbeiterin der ersten Stunde ihre kleinen Erfolgserlebnisse. Erschütternd ist die große Einsamkeit, die ihr begegnet. „Es fehlt den Menschen an tiefgehenden Gesprächen“, berichtet die Ehrenamtliche, die bekennt, „ich bin feinfühliger geworden für meine Umwelt“. Entscheidend für ihren Dienst seien die ständigen Lernprozesse, „die für das eigene Leben prägen“. Die Tagung in St. Virgil  bot hier einiges an Impulsen. So sprach Musik- und Psychotherapeutin Barbara Gindl über die „Resonanz der Seele“. Psychiater und Psychotherapeut Manfred Stelzig widmete sich der „Resonanz des Körpers“.
In Österreich wurde 1966 die erste Telefonseelsorge in Linz gegründet. In den folgenden zwanzig Jahren entstand in jedem Bundesland eine Dienststelle, in denen heute 800 Ehrenamtliche tätig sind. Die Telefonseelsorge ist öster-reichweit unter der Nummer 142 rund um die Uhr und kostenlos zu erreichen. Hauptträger sind die katholische und die evangelische Kirche. Seit Jahresbeginn wird auch Onlineberatung angeboten (www.onlineberatung-telefonseelsorge.at).  In der Erzdiözese  sind  rund 150 Mitarbeiter in Salzburg, den Außenstellen Pinzgau und Lungau sowie in der „kids-line“ aktiv.

 



kidsline: 0800 234 123



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