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Leben – Wie geht das? Dieser Frage geht der Theologe und Mediziner Matthias Beck nach. Foto: Kronawetter |
Anleitung. Wer sich mit sich selbst, anderen und Gott auseinander setzt kann nur gewinnen. Davon ist Professor Matthias Beck überzeugt. In seinem Buch führt er die Leser auf die Spur, was gelingendes Leben meint.
Michaela Hessenberger
RB: Der Titel Ihres neuen Buches lautet „Leben – Wie geht das?“ Was genau ist für Sie denn gelingendes Leben?
Beck: Natürlich empfindet das jeder Mensch unterschiedlich. Allerdings gibt es objektive Aspekte, an denen man das festmachen kann. Von gelingendem Leben würde ich sprechen, wenn man seine Talente nutzt und das ausfüllt, was einem grundgelegt wurde. Und weil das Leben nun einmal keine einspurige Fahrbahn ist auf der immer alles glatt läuft, kann auch das Misslingen zum Gelingen beitragen. Da gilt es zu reflektieren, warum dieses und jenes nicht geklappt hat. Außerdem ist die Erkenntnis der Endlichkeit wichtig. Verlangen Sie nie 100 Prozent von sich und anderen. Im Großen und Ganzen geht es um die Beziehung zum Nächsten, zu mir und zu Gott. Daran kann man ja jeden Tag ein Stückchen arbeiten.
RB: Hat man es selbst in der Hand, ein gutes Leben zu führen oder sind auch äußere Umstände, Familie etwa, ausschlaggebend?
Beck: Früher hieß es, ein Drittel sei genetisch bedingt, ein Drittel habe die Umwelt Einfluss und ein Drittel könne man selbst steuern. Da ist doch was dran! Natürlich macht es einen Unterschied, ob ich in Europa oder in Afrika groß werde, wie die Ausbildung, die Freunde, das Klima sind. Der Mensch ist jedoch insofern seines eigenen Glückes Schmied, weil er an seinem Leben mitarbeiten und seine Talente umsetzen kann. Mozart hätte noch so viel Talent haben können, wenn er nicht geübt hätte, wäre es brach gelegen.
RB: Welche Rolle spielt der Selbststand – etwas Ähnliches wie „Selbstständigkeit“ oder „Mit-sich-zufrieden-sein-können“?
Beck: Er ist das Zentralste, was ein Christ entwickeln kann. Wer lernt, es gut mit sich selbst auszuhalten, wer auch einmal mit sich allein sein kann, wer Gott in sich findet auf dem Grund seiner Seele, der kann langsam unabhängiger werden von Erfolgen, Lob von anderen oder großen Autos die zeigen, wer man ist. Dann findet man etwas in sich, das groß genug ist, es ist der Schatz im Acker, von dem das Evangelium spricht. Der Mensch ist ein transzendentes Wesen. Je mehr er in sich geht, Gott in sich findet und so bei sich selbst ankommt, desto mehr ruht er in sich. Das funktioniert nicht auf Knopfdruck, sondern in Schritten. Mit einem solchen von innen her kommenden soliden Selbststand wird das Leben besser, denn man braucht niemand anderen für sein Glück zu missbrauchen. Wer ein wenig darauf achtet, was in ihm vorgeht und sich gelegentlich fragt ob tatsächlich alles gut ist, was man so macht, der hat viel geschafft.