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„Wertvoll für uns alle“

Wie sehr ein Bub mit Down-Syndrom Gemeinde
und Gemeinschaft zusammengehalten hat, spürt
Itter jetzt: Im April ist Michael verstorben.

Foto: pixelio

Dirigent im Ort. Ein Platzkonzert, bei dem Michael nicht das letzte Stück dirigierte, ist in Itter kaum vorstellbar gewesen. Ein junger Mann mit Down-Syndrom hat die kleine Tiroler Gemeinde unsichtbar zusammengehalten. Im April ist er verstorben. „Seinen Auftrag im Leben für die verschiedenen Gemeinschaften hat er voll und ganz erfüllt“, sagt Pfarrassistentin Maria Gumpenberger.

Michaela Hessenberger

Itter. Mit gesundem Selbstvertrauen hat Michael es genossen, voll im Mittelpunkt zu stehen. Ob bei der Musikkapelle oder als Fan-Obmann der Dorfbühne, er war stets an vorderster Front dabei, wenn sich in Itter etwas getan hat. Im Ort hat er jeden gekannt – und jeder wusste, wer er war. Zu fremden Menschen ist er einfach hingegangen und hat gesagt „Griassdi, i bin der Michael – und wer bist du?“
Als sozial sehr kompetent beschreibt Maria Gumpenberger den jungen Mann, dessen plötzlicher Tod das ganze Dorf bestürzt hat. Hilfreich war, dass er mit den anderen Kindern im Kindergarten beisammen war und so ganz natürlich in die Gemeinschaft hineinwachsen konnte. Das war das größte Geschenk für ihn, sind seine Eltern überzeugt. Gehänselt wurde Michael übrigens nie, weder von den Kindern noch von Erwachsenen. „Für seine Familie war er ein richtiger Sonnenschein, er hat ihr und uns allen viel gegeben“, sagt die Pfarrassis­tentin. In seiner Eigenart habe er überall dazugehört wie jeder andere auch.

Er für das Dorf – und das Dorf für ihn

Jeden Tag ist Michael in die Arbeit gegangen, so wie es die Menschen eben tun. Bei der Lebenshilfe in Oberndorf in Tirol hat er in der Werkstatt angepackt. Auf diese Selbstständigkeit war er stolz. „Berührend war, dass seine Arbeitskollegen bei der Beerdigung sehr emotional waren und auch geweint­ haben. Außerdem hat jeder einen Beitrag geleistet, zum Beispiel eine ganz persönliche Fürbitte gelesen“, erinnert sich Gumpenberger.
Wertschätzung für all das, was er Tag für Tag für die Gemeinschaft geleistet hat, haben ihm die Leute beim Abschied entgegengebracht: Beim Beten am Vorabend war die Kirche zu klein, bei der Beerdigungsfeier am Tag darauf haben ebenfalls längst nicht mehr alle in das Gotteshaus gepasst, die ihm die letzte Ehre erweisen wollten. „Wir denken gerne an seine lustige Art und an seine Talente“, so Gumpenberger.
Den Menschen im Ort ist klar, dass ein Leben mit Down-Syndrom selbstverständlich wertvoll ist. Für Itter hat Michael viel geleistet und in seinen 25 Jahren vielleicht so viel verwirklicht wie andere in 100 Jahren nicht. t vorstellen. „Nur bitte keine Funktionärstätigkeit.“ Ein Besuchsdienst oder die Mitarbeit in einem Lerncafé wären da schon eher nach seinem Geschmack.
 


Tagung: Die 4. Österreichische Down-Syndrom-Tagung findet vom 28. bis zum 30. September 2012 in St. Virgil Salzburg statt. Anmeldung unter www.down-syndrom.at/tagung oder anmeldung@virgil.at, Betreff: DS-Tagung.
Tagungsgebühr 85 Euro; Kinderbetreuungsgebühr 20 Euro fürs erste, 10 für jedes weitere Kind.


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