Krankheit – „…und plötzlich ist nichts mehr, wie es einmal war!“

Allezeit hindurch gehören Krankheit und Leid zu den Grunderfahrungen unserer menschlichen Existenz. Sie konfrontieren uns mit unserer Endlichkeit und mit unseren tiefsten Ängsten. Eben noch gültige Lebensbezüge werden durcheinander geworfen. Was gerade noch wichtig schien, verliert seine Bedeutung. Und was vorher noch unwichtig oder selbstverständlich war, bekommt einen neuen Stellenwert.
Das Erleben von Leid und Krankheit ist die große kritische Anfrage an unseren christlichen Glauben. Jede Christin und jeder Christ erfährt Schmerz und Leid in gleicher Weise, wie jemand, der nicht an Gott glaubt. Die Konfrontation mit der eigenen Endlichkeit wird nicht minder als existentielle Bedrohung erfahren.

Inmitten aller Not lehrt uns unser Glaube, dass es noch mehr gibt. Unsere jüdisch-christliche Tradition bezeugt uns einen Gott, der nicht mehr nur fern, fremd und unbegreiflich ist. Vielmehr glauben wir an einen Vater, der jede und jeden persönlich aus Liebe erschaffen hat und vom Nichts ins Dasein bringt. Wir glauben an Jesus Christus, seinen Sohn, der durch sein Leid und Sterben hindurch den Tod besiegt hat und uns das ewige Leben schenkt. Und wir glauben an den Heiligen Geist, der uns Tröster und Beistand ist, Mahner und Ermutiger. Dieser Heilige Geist ist es, der uns die gläubige Gewissheit ins Herz senkt, dass wir mit derselben Liebe geliebt sind, mit der Gott auch seinen Sohn liebt. Dieser Heilige Geist ist es, der die Macht besitzt, uns aus der Angst um uns selbst zu befreien, weil wir uns mit einer Liebe geliebt wissen dürfen, die an nichts ihr Maß findet als an Gott selbst. Schließlich mag es eine unserer tiefsten Glaubenswahrheiten sein, dass uns nichts von dieser göttlichen Liebe trennen kann (vgl. Röm 8).
Bürge dieser Liebe, die insbesondere den Schwachen und Kranken gilt, ist Jesus selbst. Die Evangelien bezeugen, dass Jesus einen Großteil der Zeit seines irdischen Wirkens damit verbrachte, Kranke aufzusuchen und zu heilen. Wieder und wieder hören wir davon, wie er sich den Kranken zuwendet und sie aufrichtet.
Deshalb gehört der Krankenbesuch von jeher zu den Werken der Barmherzigkeit und ist ausdrücklich als Seelsorgeauftrag an seine Jüngerinnen und Jünger übertragen.

Der Krankenbesuch gehört diesbezüglich zu den ältesten Traditionen christlicher Diakonie. Eine Anzahl haupt- und ehrenamtlicher Frauen und Männer versieht diesen Dienst sowohl in Pfarren als auch in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Oft ist dieser Krankenbesuch ein einfaches, absichtsloses Gesprächsangebot, das mit einem Gebet und/oder einem Segen abgeschlossen wird. Im Gegensatz zur Arbeit des therapeutischen Teams ist seelsorgliche Arbeit nicht handlungsorientiert, sondern sinnorientiert. Die Seelsorge der Krankenpastoral kündet von der Hoffnung auf eine Lebensgewissheit, die im christlichen Glauben begründet liegt.

Die Krankenkommunion
Es ist ein wichtiges Anliegen der Gemeinde, die sich zur Feier der Eucharistie versammelt, diejenigen nicht zu vergessen, die wegen ihres Alters oder wegen einer Krankheit nicht daran teilnehmen können. Die Krankenkommunion ist ein lebendiges Zeichen der Verbundenheit der Gemeinde mit ihren Kranken. Deshalb gibt es über die hauptamtlichen KrankenausseelsorgerInnen hinaus, eine Anzahl dazu beauftragter Frauen und Männer, die diesen wichtigen Dienst ehrenamtlich versehn.

Die Krankensalbung
In der katholischen Tradition sind die Sakramente besondere Zeichen der Nähe Gottes zu den Menschen. Die Sakramente beleiten uns an wichtigen Wendepunkten und Übergängen unseres Lebens. Früher wurde die Krankensalbung als Sterbesakrament oder als letzte Ölung in das unmittelbare Umfeld des menschlichen Sterbens gerückt. Der tiefere Sinngehalt der Krankensalbung liegt jedoch in dem besonderen Zuspruch, der Ermutigung und der Auferbauung des Menschen, der der Situation einer ernstlichen Erkrankung ausgesetzt ist. Da es vorkommt, dass Menschen im Verlauf ihres Lebens immer wieder schwer erkranken, kann deshalb dieses Sakrament mehrmals im Leben, und auch innerhalb einer fortschreitenden Krankheit, wiederholt empfangen werden.
Dr. Detlef Schwarz, Leiter Krankenreferat Erzdiözese Salzburg