
Sie sahen das Kind und Maria, seine Mutter. Da fielen sie nieder und beteten ihn an (Mt 2,11)
Liebe Jugendliche, liebe Brüder und Schwestern!
Es besteht ein tiefer Zusammenhang zwischen dem vom Heiligen Vater Papst Johannes Paul II. ausgerufenen Jahr der Eucharistie (Oktober 2004 - Oktober 2005) und dem Thema des WJT in Köln, der eine bedeutende Etappe in diesem Jahr darstellt. Im Apostolischen Schreiben, in dem der verstorbene Papst die Leitlinien für den Ablauf dieses Eucharistischen Jahres aufzeigt, wird der XX. WJT zwei Mal erwähnt. Der Heilige Vater erklärt die Beweggründe, die ihn zur Ausrufung des Jahres der Eucharistie veranlasst haben, mit folgenden Worten: „Bei meinem Vorhaben hat sodann eine weitere Überlegung nicht gefehlt: In dieses Jahr fällt der Weltjugendtag, der vom 16. – 21. August 2005 in Köln stattfinden wird. Die Eucharistie wird dabei der lebendige Mittelpunkt sein, um den herum – so wünsche ich es – sich die Jugendlichen sammeln, um ihren Glauben und ihre Begeisterung zu nähren“ (Apostolisches Schreiben „Mane nobiscum Domine, 7. Oktober 2004. Nr. 4). Gegen Schluss seines Schreibens fügt er noch hinzu: „Sehr viel erwarte ich schließlich von euch, liebe Jugend-liche, während ich unsere Verabredung für den WJT in Köln in Erinnerung rufe. Das Thema – „ Wir sind gekommen, um ihn anzubeten“ (Mt 2,2) – eignet sich in besonderer Weise dafür, um euch die rechte Haltung nahe zu bringen, wie wir dieses Eucharistische Jahr leben können. Bringt zu diesem Treffen mit dem unter dem eucharistischen Schleier verborgenen Jesus die ganze Begeisterung eurer Jugend, eurer Hoffnung und eurer Liebesfähigkeit mit!“ (Nr. 30). Am Gründonnerstag 2003 hatte der Papst eine bedeutsame Enzyklika „Ecclesia de Eucharistia“ – die Kirche lebt von der Eucharistie – veröffentlicht und damit der Kirche gleichsam ein Vermächtnis auf dem Höhepunkt und der Vollendung seines Lebens hinterlassen.
In dieser Katechese wollen wir miteinander ein wenig dem Geheimnis der Eucharistie nachspüren um es besser verstehen, feiern und konkret leben zu können. Die Eucharistie ist nämlich „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“ (LG 11). Sie ist Geheimnis des Glaubens, Sakrament der Liebe, Zeichen der Einheit, Nahrung des Lebens. Es ist gut, die verschiedenen Bezeichnungen für die Eucharistie und ihre Bedeutung in Erinnerung zu rufen.
Der unerschöpfliche Reichtum dieses Sakramentes kommt in den verschiedenen Benennungen zum Ausdruck. Jede von ihnen weist auf gewisse Aspekte hin. Sie sind uns hoffentlich nicht ganz unbekannt.
Eucharistie heißt sie, weil sie Danksagung an Gott ist. Die Worte „eucharistein“ und „eulogein“ erinnern an die jüdischen Preisungen, die die Heilswerke Gottes rühmen: die Schöpfung, die Erlösung und die Heiligung oder Vollendung.
Herrenmahl . Es handelt sich um das „Abendmahl“ , das der Herr am Abend vor seinem Leiden mit seinen Jüngern hielt.
Brot brechen . Dieser, dem jüdischen Mahl eigene Ritus wurde von Jesus verwendet, wenn er als Vorsteher der Tischgemeinschaft das Brot segnete, brach und austeilte – er tat dies vor allem beim letzten Abendmahl. An dieser Handlung erkennen ihn die Jünger von Emmaus nach seiner Auferstehung wieder.
Synaxis. Dies bedeutet die Zusammenkunft, die Versammlung, das miteinander Tun, denn die Eucharistie wird in der Versammlung, im Miteinander der Gläubigen gefeiert.
Anamnesis. Hier wird das Gedächtnis, die Memoria des Lebens, Leidens, Sterbens und der Auferstehung des Herrn begangen.
Mess-Opfer, Lob-Opfer, geistiges Opfer, reines und heiliges Opfer. Es vergegenwärtigt das einzige Opfer Christi des Erlösers am Kreuz und schließt die Selbstdarbringung der Kirche mit ein. Zugleich vollendet und überragt es alle Opfer des Alten Bundes.
Göttliche Liturgie, Feier der Heiligen Mysterien. Die ganze Liturgie der Kirche hat in der Feier der Eucharistie ihren Mittelpunkt. Die Eucharistie ist das Sakrament der Sakramente. Man bezeichnet den Leib Christi auch als das Allerheiligste, eigentlich müsste man sagen der allerheiligste Leib Christi.
Kommunion. In diesem Sakrament vereinen wir uns mit Christus, der uns an seinem Leib und seinem Blut teilhaben lässt, damit wir einen einzigen Leib bilden. Die Kommunion wird auch bezeichnet als Brot der Engel, Himmelsbrot, Wegzehrung und Arznei der Unsterblichkeit.
Heilige Messe. Die Liturgie, in der das Heilsmysterium vollzogen wird, schließt mit der Aussendung der Gläubigen, mit der Missio. Früher hieß es: „Ite missa est!“, damit diese in ihrem Alltagsleben die Lebenshingabe nach dem Vorbild Christi fortsetzen und so den Willen Gottes erfüllen.
Schon in diesen Bezeichnungen kommt eine Fülle von Bedeutungen dieses Geheimnisses der Liebe zum Vorschein. Es ist ja nicht zu übersehen, dass Jesus beim Letzten Abendmahl die Eucharistie im Zeichen der Nahrung eingesetzt hat. Durst und Hunger der Menschen sind groß, fast endlos. Letztlich ist Gott die wahre und eigentliche Nahrung des Menschen. Nur in ihm kommt die unendliche Sehnsucht nach Leben, Liebe und Gemeinschaft zur Erfüllung. Das bedeutet auch, wie dankbar und sorgsam wir mit den Gaben des Lebens im Alltag umgehen müssen, vor allem mit Brot und Wein. Beides gibt es heute in einer nie da gewesenen Fülle und Vielfalt.
Die Eucharistie ist durch und bei Jesus Christus in dreifacher Weise begründet: Zuerst in den „Mahlgemeinschaften“ Jesu während seines irdischen Lebens, dann im „Letzten Abendmahl“ vor seinem Leiden und schließlich in der Kreuzeshingabe und Auferstehung.
Die neutestamentlich wichtigen Texte für die Eucharistie sind folgende: der älteste Bericht findet sich beim Völkerapostel Paulus in 1 Kor 11, 23-26. Die Evangelien haben sog. Einsetzungsberichte bei Mk 14, 22-25; Mt 26, 26-29 und Lk 22, 14-20. Nicht zu vergessen sind die sog. Brotreden als Verheißung der Eucharistie bei Joh 6, 1-71 und der Bericht von der Fußwaschung, ebenfalls bei Joh 17, 1-17.
Schon aus dem 2. Jahrhundert besitzen wir das Zeugnis des hl. Märtyrers Justin über die wesentlichen Elemente im Ablauf der Eucharistiefeier. Bis heute sind es in allen großen Liturgien die gleichen geblieben. Um dem heidnischen Kaiser Antoninus Pius (138 – 161) zu erklären, was die Christen tun, schreibt der hl. Philosoph Justin um das Jahr 155: „An dem nach der Sonne benannten Tage findet die Zusammenkunft von allen, die in Städten oder auf dem Lande herumweilen, an einem gemeinsamen Ort statt. Es werden die Aufzeichnungen der Apostel und die Schriften der Propheten vorgelesen, soweit es die Zeit erlaubt. Wenn dann der Vorleser aufgehört hat, hält der Vorsteher eine Ansprache, in der er ermahnt und auffordert, diesen schönen Lehren und Beispielen nachzufolgen. Sodann stehen wir alle zusammen auf und schicken Gebete zum Himmel (apol. 1,67) für uns selbst… und für alle anderen auf der ganzen Welt, auf dass wir würdig werden, … auch in Werken als gute … Menschen und als Beobachter der Gebote befunden zu werden, um so das ewige Heil zu erlangen. Nachdem wir die Gebete beendet haben, grüßen wir einander mit einem Kusse. Dann wird dem Vorsteher der Brüder Brot gebracht und ein Becher mit einer Mischung von Wasser und Wein. Dieser nimmt es, sendet durch den Namen des Sohnes und des Heiligen Geistes Lob und Preis zum Vater aller Dinge empor und verrichtet eine lange Danksagung dafür (griechisch eucharistia), dass wir dieser Gaben von ihm gewürdigt wurden. Ist er mit den Gebeten und der Danksagung zu Ende, stimmt das ganze anwesende Volk ein, indem es spricht: Amen. Nachdem der Vorsteher die Dankhandlung vollbracht und das ganze Volk eingestimmt hat, reichen die Diakone, wie sie bei uns heißen, jedem Anwesenden vom Dank gesegneten (eucharistierten) Brot und vom mit Wasser vermischten Wein zum Genuss dar und bringen davon auch den Abwesenden (apol. 1,65).
Die Eucharistiefeier verläuft also nach einer Grundstruktur, die durch alle Jahrhunderte bis in unsere Zeit gleich geblieben ist.
Eucharistie ist Danksagung und Lobpreis an Gott, den Vater. Eigentlich geht es um ein Danksagen und ein Danktun an Gottvater durch Jesus Christus im Heiligen Geist für alle Heilstaten Gottes in Schöpfung, Erlösung und Vollendung – zur ganzheitlichen Verwirklichung der Menschen. Heil und Leben kommt den Menschen zu durch Lobpreis, Dank, Anbetung und Verherrlichung Gottes. Eucharistie ist damit auch vorwegnehmende Teilhabe an der himmlischen Liturgie und Vorgeschmack der künftigen Herrlichkeit im vollendeten Reich Gottes.
Eucharistie ist Real-Gedächtnis des Lebens, des Todes und der Auferstehung Jesu, vor allem des einmaligen „Opfers“, seiner Lebenshingabe in Liebe vor Gott für alle Menschen am Kreuz. Die Eucharistie ist vor allem das „Kreuzes-Opfer-Gedächtnis“, die sakramentale Vergegenwärtigung (nicht Wiederholung) und Darbringung seines einzigen Opfers in der Liturgie seines Leibes, der Kirche. In allen eucharistischen Hochgebeten finden wir nach den Einsetzungsworten ein Gebet, das „Anamnese“, „Memoria“ oder „Gedächtnis“ genannt wird. Im Sinn der Heiligen Schrift ist das „Gedächtnis“ nicht nur ein Sich Erinnern an Ereignisse der Vergangenheit, sondern die Verkündigung der großen Taten, die Gott für die Menschen getan hat (vgl. Ex 13,3). In der liturgischen Feier dieser Ereignisse werden sie gegenwärtig und in ihrer Wirkung lebendig. Auf diese Weise etwa versteht das Volk Israel seine Befreiung aus Ägypten in der Pascha-Feier.
Im Neuen Bund erhält das Gedächtnis seinen neuen Sinn. Wenn die Kirche Eucharistie feiert gedenkt sie der Lebenshingabe in Liebe am Kreuz für alle Menschen. Dies wird gegenwärtig und wirksam im Heute (vgl. Hebr 7, 25-27). Das Opfer, d.h. die Lebenshingabe in Liebe, die Christus am Kreuz ein für allemal vollzogen hat, bleibt stets gegenwärtig wirksam und fordert zum Nachvollzug in der täglichen Hin-Gabe des eigenen Lebens in Liebe für die Menschen auf. „So oft das Kreuzesopfer, in dem Christus, unser Osterlamm, geopfert wurde, auf dem Altar gefeiert wird, vollzieht sich das Werk unserer Erlösung“ (LG 3).
In der Eucharistie schenkt Christus seinen Leib, den er für uns am Kreuz hingegeben hat und sein Blut, das er für alle Menschen vergossen hat „zur Vergebung der Sünden“ (Mt 26, 28).
Darum ist die Eucharistiefeier immer auch „ein gefährliches Gedächtnis“, weil es „das Leben kostet“. Darum bleibt die Eucharistie in etwa auch immer eine „Unvollendete“, denn die Hingabe, der Auftrag, die Sendung gehen Tag für Tag weiter – bis zur Erfüllung im vollendeten Reich Gottes.
Eucharistie ist reale Gegenwart Jesu Christi in den Zeichen von Brot und Wein als Leib und Blut Christi
Die reale Gegenwart Christi in der Eucharistie geschieht durch sein wirksames Wort in der Kraft des Heiligen Geistes. Wir sollten es nicht vergessen. Christus ist in seiner Kirche, wenngleich er zur Rechten Gottes sitzt und für uns eintritt, auf mehrfache Weise gegenwärtig: in seinem Wort, im Gebet seiner Kirche, in den Armen, den Kranken, den Gefangenen, in seinen Sakramenten, deren Urheber er ist, vor allem in der Eucharistie und auch in der Person dessen, der den priesterlichen Dienst vollzieht und nicht zuletzt unter den eucharistischen Gestalten (vgl. Mt 18, 20; 25, 31-46; vgl. LG 48; SC 7).
Die Weise der Gegenwart Christi unter den eucharistischen Gestalten ist einzigartig. Denn im heiligsten Sakrament der Eucharistie ist „wahrhaft, wirklich und wesenhaft“ der Leib und das Blut, zusammen mit der Seele und Gottheit unseres Herrn Jesus Christus und daher der ganze Christus enthalten (Konzil von Trient).
Noch ein Wort in diesem Zusammenhang über die Dauer der Gegenwart Christi und die Verehrung des „Allerheiligsten“. Damit ist eine kontrovers theologische Frage über die Dauer der eucharistischen Gestalten mit den evangelischen Christen angesprochen. Zunächst wurden in der frühen Kirche – wie heute noch im Osten – die eucharistischen Gestalten für Kranke, Gefangene und Abwesende aufbewahrt. Der stete Glaube an die fortdauernde Gegenwart Christi in der Eucharistie ist in der katholischen Kirche der Grund für verschiedene eucharistische Frömmigkeitsformen, wie die Aufbewahrung und Verehrung des Herrn im Tabernakel, die Anbetung (mit „Aussetzung des Allerheiligsten“), die Besuchung und vor allem das Fronleichnamsfest. Da die eucharistische Gegenwart sich nicht auf die Heilige Messe beschränkt bildet die eucharistische Anbetung gleichsam eine Fortsetzung der Kommunion. Wir erinnern uns: Als die Heiligen Drei Könige das Kind in der Krippe sahen, „fielen sie nieder“, um es anzubeten. Wenn junge Menschen heute lernen, den im allerheiligsten Sakrament gegenwärtigen Jesus anzubeten, werden sie die Erfahrung seiner lebensspendenden Gegenwart machen und wahre Früchte der Heilung und Heiligung empfangen. Die Feier des XX. WJT 2005 bietet die Gelegenheit, die Eucharistie und die Aussetzung und Anbetung des Allerheiligsten Sakramentes, d.h. des eucharistisch gegenwärtigen Herrn in den Mittelpunkt der Jugend- und Berufungspastoral zu stellen.
Das Pascha-Mahl – die Kommunion
Dem Auftrag des Herrn gemäß: „Nehmet und esset…nehmet und trinket!“ ist die Eucharistie Nahrung des Lebens, damit aber auch Sakrament der Einheit des Leibes Christi und der Liebesgemeinschaft zum Dienst der Liebe (Diakonie, Agape, Caritas). Die dringliche Einladung, am eucharistischen Pascha-Mahl des Herrn teilzunehmen, führt zur Kommunion – Gemeinschaft mit dem Leib und Blut Jesu Christi (vgl. Joh 6, 53), wobei die Kommunion auf zweifache Weise geschehen kann: „sakramental“ in der Eucharistiefeier oder als „geistliche“ Vereinigung mit Christus in oder außerhalb der Eucharistiefeier (geistliche Kommunion).
Eine Prüfung des Gewissens tut Not (vielleicht auch der Empfang des Bußsakramentes) (vgl. 1 Kor 11, 37-39).
Die Kommunion ist ein wesentlicher und integrierender Teil der eucharistischen Feier, womöglich unter beiden Gestalten, weil dies in der vollen Zeichenhaftigkeit dem Auftrag und der Einladung Jesu entspricht (wie es die Ostkirchen immer schon taten und tun und die katholische Kirche nach dem II. Vatikanischen Konzil wieder voll aufgenommen hat). Die Frage nach Hand- und/oder Mundkommunion sollte in der Freiheit eines jeden Christenmenschen liegen, da die Zunge vermutlich kein würdigeres Glied am Körper ist als die Hand, und die Hand nicht weniger würdig erscheint als die Zunge, von der viel Übel ausgehen kann (vgl. Jak 3, 1-12). Dazu möchte ich gerne noch einen Beitrag von Joseph Kardinal Ratzinger, jetzt Papst Benedikt XVI. aus dem Buch „Gott ist uns nah“ zitieren:
„ Nun, zunächst möchte ich sagen, dass beide Haltungen möglich sind und alle Priester darum bitten, die Toleranz zu übern, die eines jeden Entscheidung anerkennt; ich möchte darüber hinaus Sie alle bitten, solche Verträglichkeit zu üben und nicht den anderen zu verdächtigen, der sich zu einer bestimmten Form entschieden hat. Aber Sie werden fragen: Ist hier eigentlich Toleranz die rechte Antwort; Oder ist sie nicht bei diesem Allerheiligsten fehl am Platz? Nun, wiederum wissen wir, dass bis zum 9. Jahrhundert die Kommunion stehend in die Hand empfangen worden ist. Das muss gewiss nicht besagen, dass es immer so bleiben soll. Denn das Große und Schöne an der Kirche ist, dass sie reift, dass die das Geheimnis tiefer begreift.
Insofern hat die neue Entwicklung, die nach dem 9. Jahrhundert begann, durchaus als Ausdruck der Ehrfurcht ihr Recht und ihre guten Gründe. Aber umgekehrt müssen wir doch auch sagen, dass unmöglich die Kirche 900 Jahre lang unwürdig die Eucharistie gefeiert haben kann. Wenn wir die Texte der Väter lesen, sehen wir, aus welchem Geist der Ehrfurcht heraus sie kommuniziert haben. Bei Cyrill von Jerusalem im 4. Jahrhundert finden wir einen besonderen schönen Text. Er schildert in seinen Taufkatechesen den Kommunikanten, wie sie es machen sollen. Sie sollen vorgehen, ihre Hände zum Thron bilden, die rechte auf die linke legen, damit sie ein Thron für den König sei und zugleich ein Kreuz darstelle. Um diesen symbolischen Ausdruck voller Schönheit und Tiefe geht es ihm: Die Hände des Menschen bilden das Kreuz, das zum Thron wird, in das sich der König hineinbeugt. Die ausgestreckte, geöffnete Hand kann so zum Zeichen dafür werden, wie der Mensch sich dem Herrn entgegenhält, seine Hände öffnet für ihn, damit sie Werkzeug seiner Nähe, Thron seiner Erbarmungen in dieser Welt werden. Wer dies bedenkt, wird erkennen: Hier ist es falsch, um diese oder jene Haltung zu streiten. Streiten müssen und dürfen wir allein um das, worum die Kirche vor und nach dem 9. Jahrhundert gerungen hat, nämlich um die Ehrfurcht des Herzens, die sich vor dem Geheimnis des Gottes beugt, der sich in unsere Hände legt. Wir sollten dabei nicht vergessen, dass nicht nur unsere Hände unrein sind, sondern unsere Zunge auch und unser Herz auch, und dass wir mit der Zunge oft mehr sündigen als mit den Händen. Das größte Wagnis und zugleich Ausdruck für die erbarmende Güte Gottes ist es, dass nicht nur Hand und Zunge, sondern unser Herz ihn berühren darf. Dass der Herr in uns eintritt und in uns, mit uns leben, von innen her Mitte unseres Lebens und seine Verwandlung werden will.“
Eines der schwerwiegendsten ökumenischen Probleme in unserer Zeit ist die fehlende Eucharistie-Gemeinschaft zwischen der katholischen Kirche und den Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften aus der Reformation. Dies hängt vor allem mit der Frage des Amtes und des Kirchenverständnisses zusammen. Diese Trennung, in dem was das Sakrament der Einheit sein sollte, ist und bleibt das Ärgernis der Christenheit schlechthin. Der Heilige Geist muss uns einen tüchtigen Anstoß geben, dass wir in dieser Frage weiter kommen und endlich zu einem gemeinsamen Zeugnis für Christus vor der Welt gelangen.
Eucharistie ist Sendung
Die Feier der Eucharistie ist einerseits ein großes Friedensereignis, wenn der Friedensgruß vor der Kommunion nicht nur ein schöner Wunsch, sondern die Weitergabe des Shalom ist, den der auferstandene Herr schenkt, andererseits ist sie der immer neue Auftrag, die Nachfolge Christi und seine Sendung auf je unterschiedliche Weise in das eigene Leben zu übernehmen. In der Feier der Eucharistie lernen wir leben. Vor allem lernen wir Leib und Blut hinzugeben im Auftrag und in der eucharistischen Nachfolge Jesu im Alltag des Lebens durch den Dienst der Agape am Nächsten, vor allem an den Bedürftigsten.
Wenn das Geheimnis, das Sakrament der Liebe, das uns geschenkt ist, so groß und lebensverändernd ist, dann sind wir gehalten, die Eucharistie in einer Weise zu feiern, dass die Gestaltung der Ehrfurcht und Liebe, die uns in diesem Geheimnis entgegen kommen, entspricht. Es gibt kaum ein größeres Ärgernis, als wenn die Liturgie, vor allem die Eucharistie zum Zankapfel und Spaltpilz der Gläubigen wird. Die Feier – ob Kinder-, Jugend-, Gemeindemessen, kann nicht ein Spielball unterschiedlicher eucharistiefremder Gestaltungsinteressen werden. Die Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils wird auch künftighin Maßstab der im Herrn versammelten Gemeinden und Gemeinschaften sein.