
Liebe Gläubige!
Der Apostel Paulus schreibt im zweiten Korintherbrief: „Die Liebe Christi drängt uns“ (2 Kor 5,14). Die Liebe Christi drängt uns, das weiterzugeben, was wir selbst empfangen haben, nämlich die Liebe Christi selbst. Jeder, der getauft ist, ist gleichsam eingetaucht in die Liebe Christi, die uns erfüllt, die uns umfängt, die uns trägt, die unserem Leben einen tiefen, ja den einen wahren Sinn gibt. Wie der heilige Duns Scotus sagt: „Gott wollte Mitliebende“, also Menschen, die teilhaben an seiner Liebe, die hineingenommen sind in seine Liebe und diese Liebe weitergeben. Jesus drückt dies in den Worten aus: „So wie ich euch geliebt habe, sollt auch ihr einander lieben.“
Papst Benedikt XVI. formuliert dies in seiner Enzyklika Deus caritas est so: „Jesus Christus ist die fleischgewordene Liebe Gottes.“ Seine Liebe ist eine Liebe der Hingabe, eine Liebe, die ummantelt wird von der Dimension des Kreuzes. Jesus fordert uns auf: „Wer mir nachfolgen will, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Diese Kreuzesnachfolge wird in besonderer Weise sichtbar in der Hingabe zum Nächsten. Dies fasst der Heilige Vater in den Worten zusammen: „Kirche als Familie Gottes muss heute wie gestern ein Ort der gegenseitigen Hilfe sein und zugleich ein Ort der Dienstbereitschaft für alle der Hilfe Bedürftigen, auch wenn diese nicht zur Kirche gehören.“
Dieser Dimension der Nächstenliebe folgt die Katholische Frauenbewegung Österreichs in ihrer Aktion Familienfasttag, den sie heuer zum 50. Mal begeht. 1958 wurde diese Initiative zur Bekämpfung des Hungers in der Welt gegründet. Sie stellt also die älteste österreichische Initiative für frauenspezifische Entwicklungsförderung dar. In ihrem diesjährigen Motto „Teilen macht stark“ ruft die Katholische Frauenbewegung in der vorösterlichen Fastenzeit die Bevölkerung zum Teilen mit benachteiligten Frauen auf. Sie bittet dabei nicht um Almosen, sondern um ein solidarisches Handeln, das Veränderung bewirken kann. Denn mit den Spenden für die Aktion Familienfasttag werden Projekte in Asien und Lateinamerika finanziert, die Frauen ermächtigen, aus eigener Kraft ihr Leben zu verbessern und ihren Kindern Zukunft zu ermöglichen. So werden auf den Philippinen Ausbildungsprogramme und Zugang zu Erwerbstätigkeit gefördert, um Frauen vor einem Schicksal als Prostituierte oder rechtlose Haushaltskräfte im Ausland zu bewahren, in Indien wird der Aufbau von Selbsthilfegruppen, vor allem für noch immer diskriminierte kastenlose Frauen finanziert, um ihren Schutz vor Gewalt und die Durchsetzung von Rechtsansprüchen zu ermöglichen, und in Nicaragua werden Fortbildungsprogramme für Bäuerinnen unterstützt, damit sie sich am Agrarmarkt mit ihren Produkten behaupten können.
Dank Ihrer Hilfe, liebe Gläubige, konnten bisher jährlich mehr als 2 Millionen Euro für die Aktion Familienfasttag der Katholischen Frauenbewegung Österreichs zur Förderung von Frauenprojekten in der „Dritten Welt“ aufgebracht werden. Ich darf Sie auch heuer wieder herzlich einladen, die Aktion Familienfasttag tatkräftig zu unterstützen. Die Worte Jesu sollten uns diesbezüglich ein besonderer Ansporn sein, wenn er sagt: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.“ Gottesliebe wird konkret in der Liebe zum Nächsten.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Fastenzeit – mit Gottes Beistand
Ihr
Erzbischof
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