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Hirtenworte

Liebe Schwestern und Brüder in der vorweihnachtlichen Freude!

Es ist kalt geworden draußen in der Landschaft unserer schönen Erzdiözese. Die Sehnsucht nach Geborgenheit, Wärme und unterstützender Liebe ist in dieser Zeit besonders groß. Gerade diese solidarische Liebe wird uns auf dem Weg durch den Advent und zu Weihnachten wirkliche Freude bereiten: in den Partnerschaften, zwischen alt und jung, aber auch zwischen arm und reich und Nord und Süd.

Die diesjährige Adventsammlung „Bruder in Not“ der Aktion SEI SO FREI der Katholischen Männerbewegung steht unter dem Motto „würdig altern“. Das Thema des Älterwerdens betrifft uns alle. Unser Leben ist begrenzt. Wir bemerken, nicht zuletzt an den heranwachsenden Kindern, wie die Zeit vergeht, aber auch an uns selbst, wie etwa unsere Haut altert oder wir an Beweglichkeit einbüßen. Gesellschaftlich gesehen stehen wir durch die Altersstruktur in Mitteleuropa vor großen Herausforderungen, die auch mit unterschiedlichen Ängsten besetzt sind.

Doch letztlich behindern diese Ängste unser Leben. Sie können bewirken, dass unser Leben nur um uns selber kreist. Jesus, der lebende und auferstandene Herr, sagt: Habt keine Angst, fürchtet euch nicht. Mit ihm brauchen wir keine Angst haben. Dies ist keine naive Haltung, sondern Glaube an einen treuen Gott. Das in armen Verhältnissen geborene Kind wird zum Zeichen der Hoffnung. So begegnet uns auch in den Kindern dieser Welt Christus immer wieder aufs Neue.

Auf dem Plakatmotiv der Adventaktion blickt uns eines jener Kinder an. In ihm liegt die Zukunft. Neben ihm ein gealterter Mann, sein Gesicht mit Falten durchzogen. In diesen zeigen sich Lebenserfahrungen, Lebensgeschichten und Weisheit. Ein weiser Mensch sieht das Leben gelassener, möchte nicht mehr so vieles mit Zwang erreichen. Ein weiser Mensch wird stiller, einfacher, klarer im Denken des Wesentlichen. Ein weiser Mensch ist jemand, der im Alter – trotz vieler leidvoller Erfahrungen – lachen kann.

Lachen und sich freuen können aber nur Menschen, die etwas Wesentliches nicht verloren haben: ihre persönliche Würde, die in der Ebenbildlichkeit aller Kinder, Frauen und Männer in Gott gründet. Um jedoch in Würde altern zu können, braucht es bestimmte Voraussetzungen: Menschliche Grundbedürfnisse müssen gesichert sein: Ernährung, ein Ort zum Leben mit einem Dach über dem Kopf, Gesundheitsversorgung und Bildung. Ich möchte heute besonders auf die Projekte der Aktion SEI SO FREI der Katholischen Männerbewegung hinweisen, die Menschen unterstützt, ein würdevolles Leben führen zu können.

Zum Beispiel Bernadette Muaba aus Uganda. Sie lebt mit ihren sechs Kindern an der Grenze zu Tansania in Bethlehem, was auf Hebräisch so viel wie „Brothausen“ heißt. Sie betreibt eine winzige Landwirtschaft, doch der sandige Boden gibt nicht viel her. Und der Regen kommt immer unregelmäßiger. Ihr Mann hat sie verlassen. Doch sie verzweifelt nicht. Bernadette nimmt an einem Projekt der Aktion SEI SO FREI teil. Sie lernt Hügelbeete mit Gemüse anzulegen, Kompost zu erzeugen oder Ziegen und Hühner zu halten. Unter den Bananenstauden baut sie Futter für die Tiere an. Das kleine Lehmhaus wird mit Dachrinnen ausgestattet und ein Regenwassertank wird gebaut, um das wertvolle Regenwasser aufzufangen. Der Erfolg kann sich sehen lassen. Bernadette und ihre Kinder hungern nicht mehr, sie können sich die Beiträge für den Schulbesuch leisten, und ihre materielle Existenz ist gesichert. Sie leben gerne weiter in „Brothausen“.

Oder die 3-jährige Riki, die die Salzburger Sr. Friederike Kühnel völlig unterernährt vor der Haustür in einem kleinen Dorf der Diözese Mbandaka in der Demokratischen Republik Kongo fand. Riki konnte weder stehen noch gehen, sie sprach nicht und war ganz teilnahmslos. Durch ein Gesundheitsprojekt der Aktion SEI SO FREI konnte Sr. Friederike helfen. Sie vermittelte Aufbaunahrung für das kleine Mädchen und eine Bewegungstherapie. Auch die Familie wurde in die Behandlung einbezogen. Schnell ging es Riki wieder besser; mit jedem Kilo mehr kam auch ihre Lebensfreude zurück. Inzwischen nimmt sie wieder ihre Umwelt wahr, kann sprechen und schon alleine stehen. Es ist ein Weg der Heilung für Riki und ihre Familie.

Seit über 40 Jahren besteht nun schon unsere Adventaktion. Viele verlässliche Partnerorganisationen in Afrika und Lateinamerika konnten mit ihr nachhaltig unterstützt werden. So wurde für viele eine menschenwürdige Zukunft gesichert. Und dies in erster Linie mit tatkräftiger Unterstützung aktiver Frauen und Männer in den Pfarren. Sie sind Botinnen und Boten der Hoffnung und bauen am Reich des Friedens. Dies ist Kirche konkret: verwurzelt in Gott, lebendig und solidarisch. Allen Unterstützerinnen und Unterstützern, Spenderinnen und Spendern ein herzliches „Vergelt’s Gott!“

Mit Ihnen verbunden im Gebet um unsere Kirche in Salzburg und dem Tiroler Unterland, unseren Partnerdiözesen und den Projektländern der Aktion SEI SO FREI


grüßt und segnet Sie
Ihr


Dr. Alois Kothgasser SDB
Erzbischof von Salzburg