| Home     |   Hirtenworte   |   Katechesen   |   Ansprachen   |   Fastenserien   |   Chronik   |   70. Geburtstag    |   Bildergalerie  

Hirtenwort zum Familienfasttag 2008

Liebe Schwestern und Brüder! „Teilen macht stark“ – unter diesem Motto steht auch heuer wieder die Aktion Familienfasttag. Wir können nun spontan fragen: Wen macht teilen stark? oder: Was wird durch Teilen gestärkt?

Die Antwort darauf gibt uns Jesus selbst, wenn er uns die Szene des Weltgerichts vor Augen führt: „Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen“ (Mt 25,35-36). All dieses Tun lässt sich in einem Gebot Gottes zusammenfassen: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Es ist der Aufruf Gottes zur Nächstenliebe.

Das Liebestun zum Nächsten, zum Mangelleidenden, stärkt diesen, macht diesen stark. Aber es stärkt nicht nur den Hilfsbedürftigen, es stärkt auch den Geber des Guten, weil Gutes tun die eigene Seele aus der Isolation des Egoismus, des Auf-sich-selbst- zurückgeworfen-Seins befreit. Die Liebestat öffnet unser Herz für das Gute. Wer Liebe schenkt, wird Liebe empfangen. Wer den Benachteiligten, den Leidenden, den Verzweifelten am Wegrand des eigenen Lebens erkennt und an diesem nicht achtlos vorübergeht, sondern ihm hilft, seinen eigenen Weg gehen zu können, ist Werkzeug der Liebe Gottes zu uns Menschen und trägt dazu bei, dass unsere Schwestern und Brüder in Not selbst zu Boten der Liebe Gottes werden können. Denn wer Liebe empfängt, ist auch befähigt, Liebe weiterzugeben. So entsteht ein Netzwerk der liebenden Hingabe Gottes, das uns trägt und jedem einzelnen von uns hilft, in den Stürmen des Lebens zu bestehen.

Seit 1958 ruft die Katholische Frauenbewegung Österreichs in der vorösterlichen Fastenzeit zum Teilen mit benachteiligten Menschen auf. Die Aktion Familienfasttag wurde zur Bekämpfung des Hungers in der Welt ins Leben gerufen. Heute stillt sie in besonderer Weise den Hunger nach Gerechtigkeit. Mit den Spenden der österreichischen Bevölkerung werden alljährlich Selbsthilfeprojekte von Frauen in Asien und Lateinamerika im Ausmaß von rund 2 Millionen Euro finanziert. Dadurch werden Frauen ermächtigt, ihre Probleme selbst zu meistern und für sich und für ihre Familien eine nachhaltige Verbesserung der Lebenssituation zu bewirken.

Wenn wir uns berühren lassen von der Not anderer, werden wir zu Werkzeugen Gottes, wo Gerechtigkeit und Solidarität aus Liebe zum Nächsten konkrete Gestalt annimmt. Fastensuppenessen und Kirchensammlungen bieten dazu eine gute Möglichkeit, um unseren Schwestern und Brüdern in aller Welt unsere konkrete Hilfe zuteil werden zu lassen. Ich danke allen, die sich für die Durchführung der Aktion Familienfasttag einsetzen, und allen, die durch ihre Spende einen Beitrag für diese wertvolle Initiative leisten.

Es grüßt und segnet Sie Ihr Dr. Alois Kothgasser, Erzbischof