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Hirtenworte

Liebe Schwestern und Brüder auf dem Weg durch den Advent! 

Langsam zieht der Winter wieder ins Land. Die Tage werden kürzer, wir ziehen uns in unsere Wohnungen, Häuser und warme Stuben zurück. Wir warten auf ein Licht, das uns innerlich ausleuchtet, uns wärmt und Energie spendet. Ein Licht, das gegen so manche Sorgen und Nöte Widerstand leistet. Gerade in unseren Breiten kann die Geburt Jesu Christi so wunderbar erfahren werden. Ein Licht der Hoffnung kommt in unsere Welt und überschreitet so manche selbst gezimmerte oder von außen gesetzte Grenze und wird auf diese Weise zur Hoffnung für die Menschen und die Welt.Die diesjährige Adventsammlung "Bruder und Schwester in Not" der Aktion SEI SO FREI der Katholischen Männerbewegung steht unter dem Motto "Grenzenlos sein". Wir alle haben unsere Grenzen. Grenzen bestimmen unseren Alltag. Grenzenlos zu sein kann uns so gesehen eine ganz schöne Angst einjagen. Doch können Grenzen auch beengen, einschränken und uns verhärten. Wer kennt nicht die Sehnsucht, diese Grenzen los zu sein, den Wunsch, unser Leben uneingeschränkt gestalten zu können. Wir möchten uns nicht behindern lassen von dem, was Kraft, Mut und Phantasie einengt. Wir sehnen uns nach wahrer Freiheit. So suchen viele Menschen heutzutage nach Extremen. Gerade im Sportbereich soll alles immer schneller, höher und besser werden. Viele Jugendliche machen Drogenerfahrungen, in denen sie auf zerstörerische Weise versuchen, ihre Grenzen zu überschreiten.Johannes der Täufer ist einer von den biblischen wilden Männern, der viele Grenzen und Konventionen überschritten hat. Er geht in die Wüste, ernährt sich von Heuschrecken und wildem Honig, bekleidet sich nur mit einem Kamelfell. Er war ein Aussteiger, wie man heute sagen würde. Aber er bleibt nicht in der Wüste. Er geht an den Jordan, um zu predigen und Wegbereiter für den Erlöser zu werden. Vergleichbar mit Johannes haben andere Propheten ihre persönlichen Grenzen überschritten im Einsatz für mehr Gerechtigkeit, im Einsatz für Entwicklung, im Einsatz für Gott und die Menschen.In der Aktion SEI SO FREI der Katholischen Männerbewegung wird Freiheit und Grenzüberschreitung - wie in den biblischen Schriften - mit Gerechtigkeit in Verbindung gebracht. Ohne Gerechtigkeit oder einen gewissen Ausgleich der Güter wird auch unser Streben nach Frieden kaum einen fruchtbaren Boden finden. Deshalb weise ich im Besonderen auf folgende grenzüberschreitende, Frieden und Entwicklung stiftende Projekte der Aktion SEI SO FREI hin: In Tansania, in der Diözese Musoma herrscht Dürre. Die Sonne brennt auf die ausgetrocknete Erde. Die Felder zu bestellen ist unter diesen extremen Bedingungen schwierig. Ohne verbesserte Anbaumethoden droht Hunger. Die Hilfe der Aktion SEI SO FREI setzt nun genau an diesem Punkt an: Unter der Anleitung von Agrarexperten arbeiten die Bauern gemeinsam an der Verbesserung der Methoden. Und die Ergebnisse können sich sehen lassen. Schon bei 200 Familien konnten die Erträge so gesteigert werden, dass es sogar für Vorräte reicht. Das Programm soll nun auf die umliegenden Dörfer ausgeweitet werden. Dafür sammeln wir u.a. in diesem Advent.Im Bürgerkriegsland Kolumbien arbeiten seit gut 50 Jahren die beiden Salzburgerinnen Margaretha und Maria Herlinde Moises. Mit großem Eifer setzen sie sich für die Jugendlichen ein. Von den Konfliktparteien vertrieben, landen viele Jugendliche in den Slums der großen Städte - ohne Chance auf Schule und Ausbildung. Durch Ausbildungsprogramme, praxisnahe Kurse und Schulbesuch soll ihnen der Start in eine bessere Zukunft ermöglicht werden. Auch dafür sammeln wir in diesem Advent. Ich möchte bei dieser Gelegenheit jenen sehr herzlich danken, die sich für die Aktion einerseits durch tatkräftige Mitarbeit bei der Sammlung in den Pfarren oder durch ihre Spende für mehr Gerechtigkeit in der Welt einsetzen. Dies ist ein tatkräftiger Ausdruck der Liebe und es ist gelebter Glaube. Wer in Christus eintaucht, taucht neben den anderen oder den Armen wieder auf.Zum Schluss lade ich noch ein, gemeinsam mit mir das Plakat-Motiv der diesjährigen Aktion zu betrachten: Der Mann auf dem Bild ist schon in die Jahre gekommen. Ausdrucksstark wirkt sein Gesicht mit tiefen Furchen des Lebens. Dieser Mann ist vom Leben gezeichnet. Auf seinem Mund ist ein leichtes Lächeln zu erkennen, oder ist es Trauer? Seine Augen haben schon vieles gesehen. Sie zeugen von Sorge, aber auch von Hoffnung. Gemeinsam bin ich mit Ihnen auf dem Weg durch den Advent, dankbar verbunden im Glauben, in der Liebe und der Hoffnung.Es grüßt und segnet Sie Ihr


Erzbischof von Salzburg

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