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Amtseinführung


Die Spannung war zum Greifen: Die Schützen zupften an ihren Trachten, die Goldhaubenfrauen rückten die Kropfbänder zurecht, die Geistlichen strichen noch einmal über ihre Stolen und die Salzburger, die sich vor dem Dom zum „Bischofschauen“ eingefunden hatten, murmelten einander zu: „Ein feiner Mann, der neue Erzbischof.“

Tosender Applaus brandete auf, als am vergangenen Sonntag gegen halb zwei der Wagen mit dem Apostolischen Nuntius, Erzbischof Georg Zur, Alterzbischof Georg Eder und Erzbischof Alois Kothgasser vor der ehrwürdigen Kathedrale zu den hll. Rupert und Virgil hielt. Die Verantwortlichen hatten alles perfekt für den großen Empfang vorbereitet: 1000 Stühle wurden aus dem Festspielhaus und dem erzbischöflichen Palais herbeigeschleppt, die Ordner hatten ihre Positionen bezogen und die Dommesner hatten nach dem Hochamt am Vormittag noch im Eilzugstempo den Boden blitzblank geputzt. Selbst die Freiwilligen des Roten Kreuzes und die Malteser, darunter auch ein Bus mit Tiroler Freiwilligen, hatten für alle Eventualitäten vorgesorgt: „Bewaffnet“ mit „Erste-Hilfe-Koffern“ standen sie für Notfälle – die aber glücklicherweise ausblieben – bereit.


Wohl einem jeden der 5000 Menschen, die schon lange vor dem Beginn des Gottesdienstes ihren Platz im Dom eingenommen hatten, lief ein Schauer über den Rücken, als unter Fanfarenklängen das Domkapitel unter der Führung von Prälat Johannes Neuhardt den neuen Erzbischof am Portal willkommen hieß. Im Festtagsgewand zeigte sich auch der Dom selbst: Die Balkone zierten wertvolle Wandteppiche, die bereits zur Domweihe unter Paris Lodron das Gotteshaus schmückten, Blumenarrangements aus weißen Blüten rundeten die stilvolle Dekoration ab. „Nun singe Lob der Christenheit, dem Vater, Sohn und Geist“, stimmte Domkapellmeister Janos Czifra den Eröffnungsgesang an und der Domchor fiel stimmgewaltig ein: „der Frieden uns und Freude gibt, den Geist der Heiligkeit, der uns als seine Kirche liebt, ihr Einigkeit verleiht“.


5000 Gäste im Dom und rund 300.000 Zuschauer an den Fernsehapparaten in ganz Österreich waren Zeugen, als Ordinariatskanzler Dr. Hansjörg Hofer die päpstliche Bestellungsurkunde verlas: „... daher ernennen wir Dich kraft der Fülle unserer Apostolischen Vollmacht und Autorität gemäß den Normen des kanonischen Rechts mit diesem Schreiben zum Erzbischof und Metropoliten von Salzburg...“

Auf die Hauptanliegen seiner 14-jährigen Amtszeit blickte Alterzbischof Dr. Georg Eder in seiner Ansprache zurück: „Ich brauche nicht lange nachzudenken. Meine Hauptanliegen heißen Familie, Priester und Eucharistie.“ Mit dem Hirtenstab übergab schließlich Alterzbischof Eder symbolisch die Erzdiözese Salzburg an seinen Nachfolger, Dr. Alois Kothgasser. „Du sollst die Erzdiözese mit diesem Stab führen, aber Du kannst Dich auch an ihm anhalten“, gab der Alterzbischof seinem Nachfolger mit auf den Weg. „Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen“, intonierte der Domchor, bevor als Schlusspunkt der offiziellen Amtsübergabe Kleriker und Laien das Treueversprechen leisteten.


Im Wortlaut

Päpstliche Ernennungsurkunde für Erzbischof Dr. Alois Kothgasser

Ordinariatskanzler Dr. Hansjörg Hofer verlas
die päpstliche Bulle


Johannes Paul, Bischof und Diener der Diener Gottes, entbietet seinem ehrwürdigen Bruder Alois Kothgasser, Mitglied der Gemeinschaft des Hl. Franz von Sales, bisher Hirte der Diözese Innsbruck, nunmehr erwählter Erzbischof und Metropolit von Salzburg, seinen Gruß und Apostolischen Segen.
Wir wünschen, dass die Wahrheit über Christus, den ewigen Hirten, der die heilige Kirche erbaut und die Apostel ausgesandt hat, wie er selbst vom Vater gesandt wurde – vgl. Joh 20,21 – eifrig verkündet und seine heilbringenden Weisungen richtig ausgelegt werden.
Und so wenden wir Uns der Metropolitankirche von Salzburg zu, deren letzter Oberhirte, unser ehrwürdiger Bruder Georg Eder, die Amtsführung dieser Diözese zurückgelegt hat. Ohne Verzug weisen wir dieser Erzdiözese einen neuen Hirten zu und sehen dafür Dich, verehrungswürdiger Bruder, vor, der Du bisher die Diözese Innsbruck geleitet hast.
Daher ernennen wir Dich kraft der Fülle unserer Apostolischen Vollmacht und Autorität gemäß den Normen des kanonischen Rechts mit diesem Schreiben zum Erzbischof und Metropoliten von Salzburg, nachdem wir Dich von der Leitung des Bistums Innsbruck entbunden haben.
Dazu verleihen wir Dir auch die geltenden Rechte und legen Dir die entsprechenden Pflichten auf. Du wirst den Klerus und das Volk Deiner Erzdiözese von dieser Ernennung unterrichten und darauf achten, dass sie alle mit Dir unablässig in zunehmender Sorgfalt Gott loben.
Ihm gefällt es, „die Menschen nicht nur als Einzelne, ohne jede gegenseitige Verbindung, zur Teilhabe an seinem Leben zu rufen, sondern sie zu einem Volk zu bilden, in dem seine Kinder, die verstreut waren, in Einheit versammelt werden sollen“ – Ad Gentes 2 –.
Abschließend ermutigen wir Dich, ehrwürdiger Bruder, Deine Erzdiözese sorgfältig zu leiten und die Gemeinschaft von Klerikern, Ordensleuten und Laien der Salzburger Teilkirche geistlich mit vollem Eifer zu fördern.

Gegeben zu Rom bei Sankt Peter, am 27. November im Jahre des Herrn 2002, im 25. Jahr Unseres Pontifikats.

Johannes Paul II., Papst